Jahreszeiten

Wie ich als Bäuerin ein Jahr erlebe!

Frühling:
Wenn morgens der Wecker klingelt, ist es draußen nicht immer schon hell. Irgendwo draußen beginnt zaghaft ein Pfeifen und ein Singen. Der Obstgarten und der nahe Wald sind ein Paradies der Vögel. Obwohl es am Morgen noch kalt ist, gewinnt tagsüber die Sonne mehr und mehr an Kraft. Von der Koralm leuchtet zwar noch immer die weiße Pracht, doch der laue Wind ringt dem Winter große Flecken vom Schnee ab. Da und dort steckt schon eine Schlüsselblume Ihre zarten Blüten aus der kalten Erde. Die Weiden treiben aus. Es ist höchste Zeit zum Palmkätzchen schneiden. Frühling ist die Zeit der Gartenarbeit, Blumenpflanzen, Luft, Sonne, Lebensfreude tanken und gemeinsam das Osterfest feiern. Frühling ist aber auch beginnende Feldarbeit, den Mist auf die Äcker ausbringen, Holz spalten und zu Stößen anklauben, Malerarbeiten im Haus und Stallungen, Frühjahrsputz und das alljährliche Gelöbnis meines Mannes, sich mehr Zeit für den Bauernhof und seiner Familie zu nehmen.

Sommer:
Hitze, Arbeit, Erntezeit und Sommerzeit; am Morgen wieder in der Dämmerung aufstehen und lange in den hellen Abend hinein arbeiten. Arbeiten auf den Wiesen und Feldern, im Garten und die vielen Blumen rund ums Haus versorgen. Obwohl die Hitze und der Staub bei diversen Arbeit wie z.B. beim Heuen oder Dreschen oft unerträglich sind, ist diese Jahreszeit wunderschön für mich. In dieser Zeit hat mein Mann zwei Wochen Urlaub. Wenn wir auch selten für längere Zeit wegfahren können, so machen wir doch einige Wanderungen oder fahren mit den Kindern abends eine Runde mit dem Fahrrad. Sommer ist barfuß laufen, Kukuruztzbraten, die Familie um sich haben. Ich mag den Sonnenschein und die Sommergewitter, wenn sie nicht zu heftig ausfallen und die reine und klare Luft hinterher.

Herbst:
Obst und reife Trauben, bunte Blätter und Nebelschwaden. Um diese Jahreszeit sind fast alle außer Haus. Die Tochter , der Sohn und Mann von früh bis spät am Arbeitsplatz. Das Haus ist nach einem mit Leben erfüllten Sommer leer.  Doch für Einsamkeit bleibt mir keine Zeit. Die gesamte Ernte muss eingebraucht werden. Die Äcker auf ihre Ruhezeit vorbereitet werden. Die Wintersaat muss in die Erde. Auch den Garten muss ich für den Winter vorbereiten. Karotten, Petersilie und der Salat müssen frostsicher eingewintert werden und die Blumen müssen in frostsichere Räume gebracht werden. Herbst ist lange Abende, Stricken, Gemütlichkeit, Wärme und Zusammensitzen, aber auch Allerheiligen, Allerseelen, trübe Tage an denen die Sonne nicht mehr so viel Kraft hat den dichten Nebel zu durchdringen.

Winter:

Schnee, Stürme grimmige Kälte, Advent, Weihnachten, Besinnlichkeit. Ich hätte gerne ein bisschen mehr Zeit für mich, zum Lesen, Handarbeit. Doch leider ist vor Weihnachten die Wohnung gründlich zu putzen, sind Bäckereine zu machen und Weihnachtseinkäufe zu erledigen. In der Kälte draußen die Silage und das Heu für die Tiere vorzubereiten, erfordert auch viel Zeit in diesen kurzen Tagen. Winter ist Verwandte besuchen, Hausarbeit, verschlafene Sonntagsnachmittage, ein Hallenbadbesuch ob und zu. Winter ist Stille, Ruhepause, aber auch Glatteis und Kälte.

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